Wer sich berufen fühlt eine englische Übersetzung anzufertigen - dann herzlichst gern.
Zuerst war ich auch irritiert. Noch ein Video zu Wait? Wir haben doch schon zwei davon anschauen
dürfen. Einmal unterwegs mit dem Red Bull-Tourbus im Feld geschossen. Und ein grandioses Live-
Video vor 700.000 Menschen am Brandenburger Tor. Aber mit Blick auf die kommende Platte und
mit Wait als Single macht ein "richtiges" Video schon Sinn. Manchmal vergesse ich fast, dass es da
draussen noch Hunderttausende Menschen gibt, die noch nicht süchtig nach Samavayo sind.

Vor dem Dreh musste der gesamte Organisationskram gemacht werden. Denn nur gut organisiert
sollte ein richtiger Videodreh angegangen werden. So wurden Requisiten recherchiert und dann
besorgt. Und da niemand aus der Band bei Onkel Dagobert den Geldspeicher plündern konnte,
lautete ein Motto auch: Alles soll so günstig wie möglich sein - aber trotzdem unglaublich gut
aussehen. Holzbalken, ein Benzinkanister, 4 Paar Schuhe, eine Zielflagge, ein Baumstamm, Farbe
und noch vieles mehr mussten organisiert werden. Daneben wurden Lebensmittel und Getränke für
das selbst aufgestellte Catering besorgt. Äußerst respektabel, dass bei 15 beteiligten Personen
insgesamt kein Chaos aufkam.
Am Montag, den 12.01.09 begann der Tag für die Helfer bereits um 5 Uhr 30. Nachdem die erste
Ladung im Auto verstaut wurde, machten wir uns auf den Weg zum Studio. Dort angekommen war
der Technik-Wagen mit dem Kamera-Equipment und den Scheinwerfern schon da. Zuerst standen
Björn und ich im Studio und uns klappte die Kinnlade runter. Was für eine Riesenhalle. Ich hatte
mit einem kleinen, feinen Studio gerechnet. Dazu gab es eine kleine Kantine mit Küche im
Erdgeschoss und Aufenthaltsräume im Obergeschoss. Direkt vor der Tür lag winterlich friedlich die
Havel. Nun wissen wir auch, warum sie Havelstudios heißen. In dem anderen Atelier auf dem
Gelände waren bereits Herrschaften vom Kinderkanal eifrig am drehen.
Dann ging es an den Aufbau. Im Studio musste alles vorbereitet werden. Was das bedeutet war mir
nicht klar. Mittels unzähliger Ketten-Flaschenzüge wurde das Molton in Position gebracht. Molton?
Einige von Euch haben gerade 3 Fragezeichen über dem Kopf? War bei mir nichts anderes. Molton
ist so ein Baumwoll-Stoff, meist schwarz, der Licht und Schall absorbieren soll. Dieser musste nicht
nur an den Wänden sondern auch auf dem Boden faltenfrei und sauber positioniert werden. Dazu
mit Flaschenzügen die großen Scheinwerfer an einer Traverse befestigt werden. Dann eingerichtet.
Auch weitere Scheinwerfer wurden vorbereitet. Die Kamera. Die gesamte Einrichtung der Technik
dauerte ungefähr 10 Stunden, bis endlich losgelegt werden konnte. Parallel zum Treiben im Studio
wurde das Catering aufgebaut. Für die Leute vor Ort gab es stets liebevoll geschmierte und belegte
Brötchen und Baguettes. Suppe. Literweise Kaffee (man konnte nicht ahnen wie wertvoll dieser
werden würde). Dazu Tee, Äpfel, Bananen, Kekse, Wasser, Flügel verleihende Energy-Drinks und
Gummibärchen. Verhungern und Verdursten musste niemand.

Was auch unbedingt notwendig war, denn zu tun gab es immer etwas. Während ich dann ganze 7
Stunden mit einem Cutter-Messer und Styropor bewaffnet eine eigene Welt schuf, ging im Studio
das Treiben weiter. Die Jungs waren bereits eingetroffen und wurden eingekleidet und geschminkt.
Claudia und Nina halfen ihnen in die selbst entworfenen Rennanzüge. Und Vanessa puderte ihnen
die Näschen. Rennanzüge? An dieser Stelle muss auf den heimlichen Star verwiesen werden. Für
das Video wurde ein 1964er Porsche 911 besorgt und in einen Rennwagen verwandelt. Viele Retro-
Aufkleber im Stile vergangener Motorsportzeiten verliehen dem Gefährt die richtige Aura. Die
Aufkleber sollte sich jeder mal ganz genau anschauen.

Da ich am Abend des ersten Tages a) nicht oft im Studio war und b) nach 19 Stunden auf den
Beinen ein bisschen kirre war kann ich nur aus zweiter Hand berichten. Es wurden Fotos gemacht.
Behrang war lang - sehr lang - damit beschäftigt in voller Montur im Auto zu sitzen. Nach Stunden
im Rennanzug, mit Handschuhen, Helm und Make-Up in einem Sportwagen könnte durchaus
schlechte Laune aufkommen.


Aber weder Behrang noch die lange wartenden Stephan, Marco und Andreas oder die Helfer
zickten ob der Situation rum. Da wurde zum x-ten Mal der Wagen, dessen Felgen oder der Boden
gereinigt.

Oder diese Einstellung wiederholt. Die Perspektive verändert. Gegen 3 Uhr wurde der Drehtag
beendet. Einige fuhren nach Hause. Die Band und 3 Helfer schmissen sich auf die Sofas in den
Aufenthaltsräumen. Jacken oder Molton dienten als Decken. Rock´n´Roll eben. Dank meiner
Vergangenheit als Leistungsturner und meiner schmalen Hüfte fand ich auf meiner 1,50m langen
und gefühlten 20cm breiten Couch Halt. 4 Stunden Schlaf wäre das Optimum gewesen. Aber die
Ohren glühten und nach 22 Stunden Action rasten im Kopf die Gedanken. Letztlich fand ich mehr
oder weniger 2 Stunden Schlaf. Gegen 7.45 Uhr wurde der Motor wieder angelassen und es begann
dann der zweite Tag.

Der zweite Tag begann mit Kaffee und einem Käsebaguette. Und danach stiegen alle, also die
Band, der Regisseur, der Kameramann, die drei Kamera- und Lichtassistenten, der Setfotograf, die
beiden Klamottenverantwortlichen, die Visagistin und die drei Helferlein voll ein. Requisiten
wurden angesprüht, angemalt, gebaut, vernagelt und verschraubt, aufgeklebt und vorbereitet. Und
es ging gut voran. Die unterschiedlichen Bilder wurden aufgenommen. Ein Boxenstopp. Stephan,
Andreas und Marco kurz vor dem Start des Rennens. Die große Rettungsaktion nachdem Behrang
im Renner in Lebensgefahr gerät.

Marco an der Monster-Motorsäge. Und Stephan wie er gottgleich die Erde mit Fuel übergießt.
Mehr soll nicht verraten werden. Soll ja trotzdem eine Überraschung sein. Gerade ist das gesamte
Material im Schnitt.
Mein Fazit lautet: Der Video-Dreh war unglaublich anstrengend. Nach 22 und 18 Stunden Action
bei nur 2 Stunden Schlaf fiel ich kaputt, aber zufrieden, ins Bett. Wenn das Video nur ansatzweise
so gut wird wie die Passagen bereits auf dem Regie-Bildschirm aussahen, dann wird es der
Oberhammer. Tolle Ideen und tolle Bilder zu einem tollen Song. Seid auf das Ergebnis gespannt!
